Aussichten
Neue Eigenproduktionen 2010
Nachdem wir im letzten Jahr hauptsächlich unser bestehendes Repertoire gespielt haben, wollen wir dieses im kommenden Jahr um einige Produktionen erweitern. Neben den Klassikern, wie Sommeratelier und Sommertour sind unten stehende Inszenierungen geplant. Jedoch sind noch nicht alle Projekte finanziell abgesichert. Darum möchten wir an dieser Stelle zu Spenden aufrufen. Auch Kleine Beträge können helfen. Spender erhalten natürlich eine Spendenbescheinigung, um diese bei der Steuer geltend machen zu können. Gespendet werden kann auf folgendes Konto:

Kontoinhaber: Theaterscheune Teutleben
Konto: 14 00 491 26
BLZ: 820 510 00
Pandora Panoptikum
Mit der Inszenierung „Papalagi Panoptikum“ haben wir ein für uns und die Thüringer Theaterlandschaft, neues und ungewöhnliches theatrales Format entwickelt, dass weder Theater, Konzert noch Lesung ist, sondern vielmehr eine Symbiose aus diesen drei Elementen darstellt.
Die Verbindung von live gespielter Musik, per Polylux projizierter Live – Malerei und expressiver Textperformance durch den Schauspieler Johannes Geißer bilden eine Form, die gerade durch die konsequente Reduktion und den Verzicht auf moderne Performance-Technik (Laptop und Beamer) eine atmosphärische Dichte und große emotionale Nähe zum Publikum entwickelt.

Auch im kommenden Jahr soll eine kritische und nachdenklich machende Reflexion der Gesellschaft, in der wir leben, inhaltlicher Motor der Performance sein.

Als Aufhänger und inhaltlichen Ansatz der Inszenierung möchten wir den Pandoramythos benutzen. Auszüge aus klassischen Werken Hesiods und Johann Wolfgang Goethes zum Pandoramythos sollen als erste inhaltliche Ebene dienen. In der zweiten Ebene werden wir uns mit konkreten und nahezu „alltäglichen“ Übeln unserer Lebenswirklichkeit beschäftigen: unter anderem mit zunehmender sozialer Ungerechtigkeit, dem entfesselten Turbokapitalismus, Neofaschismus und vor allem der Tendenz der Medienindustrie zu immer primitiveren, unreflektierten Formen und Inhalten.
Über die Gegenwart hinaus sollen aber auch gesellschaftliche Zukunftsvisionen thematisiert werden, wie etwa das Bestreben der Wissenschaft die Umwelt und die Menschheit immer weiter zu optimieren, sie durch die Möglichkeiten der Medizin und Humangenetik wieder von den Übeln „Krankheit und Tod“ zu befreien und damit neue Übel heraufzubeschwören.

Für diese zweite Ebene werden wir bisher unveröffentlichte Texte junger deutscher Autoren benutzen, die diese und weitere Themen kaleidoskopartig in moderner Kurzprosa entwerfen und die Poesie der klassischen Texte in ihrer oft schonungslosen Direktheit kontrastieren. Moderne Prosa der Autoren Hanno Raichle, Bastian Winkler und Annegret Bauer trifft auf klassische Dichtung.

Regie: Annegret Bauer
Musik: waits 4 devil
Spieler: Johannes Geißer
Polylux: Kerstin Perschke
DER SCHREI
Unter dem Titel „DER SCHREI“ möchten wir im kommenden Jahr eine Inszenierung realisieren, die die Musik des ungarischen Komponisten Bela Bartok und zeitgenössische Erzählungen des ungarischen Autors Laszlo Darvasi zu einer Melange aus modernem Puppen- und Schauspiel verknüpft.
Ein wesentlicher Moment des Projektes wird die Interpretation der Streichqquartette Bartoks durch eine Rockband sein.

Um dem stark expressiven Gehalt der Musik Bartóks gerecht zu werden, wollen wir uns auf inhaltlicher Ebene mit einzelnen Erzählungen aus dem Band „Eine Frau besorgen – Kriegsgeschichten“ des ebenfalls ungarischen Schriftstellers Laszlo Darvasi beschäftigen.
Darvasi, geboren 1962 und aufgewachsen an der serbischen Grenze, beschreibt in seinen Texten die traumatisierenden Auswirkungen des Bosnien-Krieges auf den menschlichen Alltag und kommt aufgrund seiner archaisch-poetischen Sprache dem musikalischen Expressionismus Bartoks stilistisch sehr nahe. Darüber hinaus bieten sie sich seine Erzählungen durch ihre surreale Methaphorik und ihre expressiven Figuren- und Bildwelten für die Ästhetik und Formensprache des Puppenspiels geradezu an.

Autor/Dramaturgie: Annegret Bauer
Schauspieler: Johannes Geißer
Musiker: Ralf Siedhoff
Alexander Ernst
Michael Semper
Tom Semper

Die Besetzung der Regie und Puppenspieler steht noch nicht fest.
Globally Wanted
- Musically and visually sensitive avantgarde meets British humour -

Eine Koporoduktion des finnischen Zirkus Uusi Maailma und der Theaterscheune Teutleben.

Die Eigenkompositionen des Ensembles und die szenischen Bilder der Akrobaten bilden eine visuell akustische Einheit.
Sie ergänzen sich: Bewegung im Raum spiegelt die Emotion hinter dem Ton und die Musik gibt den Körpern einen Klang. Dadurch sind sie unzertrennlich.
Dies beschreibt sowohl die Arbeitsweise des Ensembles als auch den inspirierenden Moment, als beide Gruppen sich zum ersten Mal auf der Bühne begegneten.

Das künstlerische Ziel ist es, dramaturgisch ganzheitliche und visuell eindrückliche „contemporary circus performances“ zu realisieren unter Einbeziehung von Livemusik, Akrobatik und Pantomime.

Seija Hakkarainen – artistic director
Ralf Siedhoff – music director, guitar
Pekka Huttunen – accordion, aerial acrobatics
Werner Brunngräber – saxophone, double bass
Lotta Roukala – mimic & aerial acrobatics
Johannes Geißer – mimic, vocal & aerial acrobatics
Eero – double bass & aerial acrobatics
Thomas Semper – drums & percussion, aerial acrobatics
Michael Semper – bass, violoncello
TONSPURENLESER
Das Projekt TONSPURENLESER produziert eine Momentaufnahme aus der Stadt Jena. Die beteiligten Künstler – ein Musiker und ein Autor - lesen und legen Tonspuren in der Stadt, zeichnen ein Bild von ihr, zeichnen mit Musik und Sprache das Lebensgefühl, den Charakter, die leisen Töne, die lauten Schreie, die hellen und dunklen Ecken und Kanten. Es entsteht eine Audiographie - ein akustisches Dokument der Zeitgeschichte, ein Einblick in einen Ausschnitt der rasanten Entwicklung in Form einer 90-minütigen Komposition aus Prosatexten und Lyrik.

Autor: Marcel Kohl
Musik: Alexander Ernst
Traumfänger
Der Theaterscheune Teutleben e.V. möchte sein theatrales Angebot um ein Genre erweitern: das Kindertheater. Nach der Jugendtheaterproduktion CO-STARRING produzieren wir jetzt ein Kindertheaterstück, das wir gemeinsam mit der Zielgruppe, in Kooperation mit Kindern aus Kindertagesstätten und Grundschulen entwickeln.
Alexander Ernst, Musiker und gelernter Musiklehrer, und Marcel Kohl, Theaterpädagoge und Regisseur, beide Väter von Kindern in diesem Alter, werden das Stück mit Kindern entwickeln, inszenieren und als Mitspieltheater in Kindertagesstätten und Grundschulen in ganz Thüringen aufführen.

Bei dem Projekt TRAUMFÄNGER handelt es sich um eine Auseinandersetzung mit Träumen von Kindern im Alter von vier bis zehn Jahren. Im Vordergrund steht die Suche nach Träumen als Verarbeitung von Realität ebenso wie die Formulierung von Wünschen, das Benennen von Ängsten oder die Entwicklung von Lebensentwürfen. Außerdem suchen wir eine Antwort auf die Frage, wo die Träume bleiben, wo sie sich herum treiben, wenn sie einmal geträumt und damit auf der Welt sind.
Sommeratelier "Alle(e) nach Arkadien"
Arkadien, der Traum vom irdischen Paradies, war eine Fiktion, ein poetisches Traumland, das um 42 v. Chr. im Kopf des römischen Dichters Vergil entstand und seitdem durch die Kunst und Literaturgeschichte geistert – als Gegenbild, Mythos eines besseren Seins oder politische Utopie gegenüber dem Ungenügen an der Welt oder einfach als das Land in dem schönen Künste blühn.

Während der Workshopwoche werden sich die Teilnehmer mit kompetenten Reiseleitern auf die Allee nach Arkadien begeben, auf der Suche nach dem wo und dem was Arkadien für uns und unsere Zeit bedeutet. Auf dem einzig möglichen Weg es zu finden – dem Erfinden – werden wir testweise eine Filiale Arkadiens in Teutleben errichten um die Dichotymie zwischen der Sehnsucht nach und der Lebbarkeit von Utopien auszuloten.
Über die individuelle künstlerische Beschäftigung in den Kursen hinaus werden Fragen nach der Welt, in der wir leben wollen und dem, was wir bereit sind dafür (auf) zu geben, inhaltlicher Dreh- und Angelpunkt sein.

Angeboten werden Workshops für Musik, Theater, Hörspiel, Bildhauerei und Tanz.

Stattfinden wird das Sommeratelier in der Woche vom 25.7. bis 1.8. 2010.
Sommertour "Maria Stuart"
Die Theaterscheune zieht weiterhin mit Traktor seine Planwagentouren durch den Thüringer „Theaterwald“. Auch 2010 bringt das Ensemble klassischen Theaterstoff als Sommer-open-air-Theater in die „theaterentlegenen“ Gemeinden.

Mit „Maria Stuart“ von Friedrich Schiller geht wieder ein deutscher Klassiker auf Theatertour. Die Inszenierung erzählt die von Schiller historisch gründlich recherchierte und mit dramaturgischen Spitzfindigkeiten zugespitzte Geschichte. Dabei konzentriert sie sich auf die äußerst spannenden und gefährlichen Intrigengeschichten, die bei Schiller zur Rettung gesponnen werden.
Indizien, Unterstellungen, Rechtfertigungen sind an der Tagesordnung. Ein spannender Krimi, ein politischer Thriller, der unglaubliche Parallelen zu Auftreten und Verhaltensweisen politischer Persönlichkeiten der Gegenwart aufweist und persönlich motivierte Entscheidungsstrukturen in staatspolitischen Gremien – „gewählt vom Volk, regieren für das Volk“ - anprangert.

Die ersten Proben beginnen im März, die Premiere wird im Juli in Teutleben sein. Danach geht es auf eine 14 tägige Tour durchs Thüringer Ländle.

Spielwütige Amateure können sich jetzt unter theaterscheune@web.de für dieses Unterfangen bewerben.